Fortbildung im ifV
Ein klassischer Fortbildungstag dauert in der Regel rund acht Unterrichtseinheiten und somt sechs Zeitstunden. Wie viel davon am nächsten Morgen noch abrufbar ist, entscheidet sich auch an der Taktung der Lernzeit. Viele werden es so erlebt haben: Man sitzt in einem Tagesseminar und ist vormittags aufnahmefähig, am Nachmittag fängt man aber an, so viel wie möglich mitzuschreiben, um es später noch reproduzieren zu können. Dazu kommt das bekannte Mittagsloch oder „Suppenkoma“: Nach der Mittagspause fällt es besonders schwer, aufmerksam zu sein oder zu bleiben.
Warum Dauer und Lernertrag auseinanderfallen
Aufmerksamkeit ist eine begrenzte Ressource. Sie lässt sich über einen Tag verteilen, aber nicht beliebig strecken. Nach unserer Erfahrung aus der Seminararbeit sinkt die aufnahmefähige Spanne spürbar, sobald derselbe Arbeitsmodus länger als etwa 20 bis 30 Minuten durchgehalten wird. Methodenwechsel im Seminar helfen, um immer wieder neue Aufmerksamkeitsanreize zu setzen. Das gilt im Seminarraum wie am Bildschirm, am Bildschirm allerdings früher und schärfer.
Der Präsenztag: getragen vom Raum
Ganztägige Präsenzseminare haben einen Vorteil, der sich schwer ersetzen lässt. Die physische Anwesenheit stabilisiert die Aufmerksamkeit: Blickkontakt, Arbeit in Kleingruppen, Gespräche in der Pause, der Weg zum Flipchart. Dieser Rahmen trägt auch über das Nachmittagstief, wenn die Dozentin oder der Dozent den Arbeitsmodus regelmäßig wechselt. Gerade nach der Mittagspause bietet es sich an, eher interaktiv oder mit Eigenarbeit den Seminarpart zu gestalten.
Der Webseminartag: das schwierigste Format
Ganztägige Webseminare übertragen die Dramaturgie des Präsenztages auf ein Medium, das sie nicht trägt. Die Kamera zeigt Ausschnitte, der Mailposteingang liegt im selben Fenster, Nebentätigkeiten bleiben unsichtbar. Wer dieses Format wählt, sollte die Interaktionsdichte deutlich erhöhen und die Pausen fest terminieren. Als reine Übertragung eines Präsenzkonzepts funktioniert es nach unserer Beobachtung am schlechtesten von allen vier Formaten. Daher sollte der didaktische Ansatz hier ein anderer sein: Es sollten deutlich mehr interaktive Elemente eingestreut werden, etwa Übungsfälle mit Einsatz eines Abstimmungstools.
Die Dozentin oder der Dozent ist hier besonders gefordert. Es gibt Dozentinnen und Dozenten, die auch über einen ganzen Tag die Teilnehmenden in hoher Aufmerksamkeit halten können. In diesem Fall ist auch dieses Format tragfähig. Es ist aber nicht der Normalfall.
Drei Stunden online: der tragfähige Zuschnitt
Kürzere Webseminare von etwa drei Stunden mit einer Pause liegen in einem Bereich, der online gut funktioniert. Bei drei Stunden lässt sich ein abgegrenztes Thema mit Übungsanteil bearbeiten, ohne dass die Konzentration am Ende abreißt. Ab etwa vier Stunden am Stück steigt der Aufmerksamkeitsverlust nach unserer Erfahrung deutlich an; schon zwischen drei und vier Stunden nimmt der Ertrag spürbar ab, ohne dass der Stoffumfang entsprechend mitwächst.
Für Verwaltungen hat dieser Zuschnitt einen Nebeneffekt: Die Dienststelle verliert die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für einen halben statt einen ganzen Tag. Hier haben sich auch Durchführungen als interessant gezeigt, in denen das Webseminar in den Nachmittagsstunden (ab 13.00 oder 14.00 Uhr) terminiert wird. Arbeitsintensive Zeiten, etwa mit Publikumsverkehr oder Dienstbesprechungen, werden so nicht beeinträchtigt. Das Format ist dann auch für Teilzeitbeschäftigte besser realisierbar – nach unserer Beobachtung selbst im Nachmittagsbereich.
Entsprechend ist eine häufige Variante im ifV, auch typische Tagesseminare in zwei Webinarblöcke mit jeweils 3 Stunden an unterschiedlichen Tagen aufzuteilen.
Flipped Classroom: Lernzeit in Portionen
Das vierte Format kehrt die Reihenfolge um. Die Wissensvermittlung läuft über Lehrvideos von 10 bis 15 Minuten, dazu kommen Übungsaufgaben, am Ende steht ein gemeinsamer Webinartermin für Fragen, Vertiefung und Fallbesprechung.
Die Videolänge ist dabei kein Zufallswert. Unterhalb von etwa zehn Minuten zerfällt ein Thema leicht in Bruchstücke, die Lernende selbst wieder zusammensetzen müssen. Nach unserer Erfahrung bleibt bei zehn bis fünfzehn Minuten ein Gedankengang geschlossen und lässt sich in einer Sitzung erfassen, auch zwischen zwei Terminen – wobei Teile der Forschung zu Lernvideos sogar noch kürzere Längen empfehlen. Oberhalb von fünfzehn Minuten wächst erfahrungsgemäß die Zahl der Abbrüche und des Vorspulens, der Inhalt wird dann unvollständig aufgenommen.
Der entscheidende Gewinn liegt in der Wiederholbarkeit. Ein Video lässt sich anhalten, zurückspulen und drei Wochen später erneut ansehen, wenn der Fall auf dem Schreibtisch liegt. Das gilt für keine der drei reinen Live-Varianten. Zudem steht für die Bearbeitung ein Zeitraum von zehn Tagen und mehr zur Verfügung, sodass kleinere Portionen (z. B. jeden Tag eine halbe Stunde) geleistet werden können. Das ist für die Aufmerksamkeitsspannen der beste Fall. Zwar ist niemand live für Nachfragen verfügbar, es kann aber pausiert werden und Literatur oder auch Online-Ressourcen herangezogen werden. Und im abschließenden Live-Webinar geht es dann vor allem um Fragen zum Grundverständnis und zur praktischen Anwendung.
Was realistisch zu erwarten ist
Ein formatgerechter Zuschnitt verbessert vor allem die Behaltensleistung und die Anwendungssicherheit, weniger die Zufriedenheitswerte am Seminarende. Beides fällt auseinander: Teilnehmende bewerten einen angenehmen Präsenztag oft besser, als es der spätere Transfer rechtfertigt.
Allerdings ist einiges zu beachten
Flipped Classroom setzt voraus, dass die Selbstlernzeit tatsächlich zur Verfügung steht. Wird sie im Dienstalltag nicht freigehalten, erscheinen Teilnehmende unvorbereitet zum Abschlusstermin, und das Konzept kippt in ein verkürztes Webseminar mit Lücken. Hinzu kommen Technikfragen, Barrierefreiheit und die Frage, ob sensible Fallkonstellationen überhaupt in einem Videoformat besprochen werden sollten. Auch die Produktion der Videos bindet Ressourcen, die bei einem Präsenztag nicht anfallen.
Dieser Beitrag wurde mit KI vorbereitet und in der Endredaktion plausibilisiert. Die wesentlichen inhaltlichen Aussagen stammen von den angegebenen Autorinnen und Autoren.